Bundeswehr vertieft Fachwissen um neue Verfahren und Aufgaben für die Schweißaufsicht

Additive Fertigung, Digitalisierung und besondere Werkstoffe wie Panzerstahl erweitern die Verantwortung von Schweißaufsichtspersonen. Bei einem dreitägigen Fachtreffen in der SLV Halle GmbH und ihrer Betriebsstätte Bernburg beschäftigten sich Schweißaufsichtspersonen der Bundeswehr mit den Folgen für Fertigung, Prüfung und Qualifizierung. Organisiert wurde das Treffen durch das Logistikkommando der Bundeswehr in Erfurt.

Verantwortung verändert sich mit der Technik

Bei der Begrüßung von Oberstleutnant Roland Blendel, Stabsfeldwebel Christian Wille und den anwesenden Schweißaufsichtspersonen betonte SLV-Geschäftsführer Steffen Wagner deren wichtige Rolle bei der Einführung neuer Fertigungsverfahren. „Technischer Wandel entsteht durch Menschen, die neugierig bleiben, Fragen stellen und innovative Verfahren Schritt für Schritt sicher in die Praxis überführen“, sagte Wagner.

Im Fachprogramm ging es um vier miteinander verbundene Aufgabenbereiche: 

  • Normen und Qualitätssicherung
  • Additive Fertigung
  • Werkstoffprüfung und -verarbeitung
  • Qualifizierung und berufliche Entwicklung 

Entscheidend war dabei die Frage, welche Kenntnisse und Nachweise Schweißaufsichtspersonen benötigen, wenn neue Verfahren in bestehende Abläufe integriert werden.

Additive Fertigung praktisch nachvollziehen

Bei der additiven Fertigung von Kunststoffbauteilen verfolgten die Teilnehmenden den gesamten Ablauf von der Konstruktion über die Datenaufbereitung bis zum 3D-Druck. Gemeinsam mit Philip Friedrich bereiteten sie in Bernburg eigene Druckdaten vor und prüften anschließend die gefertigten Bauteile. Die praktische Arbeit machte sichtbar, wie Entscheidungen vor dem Druck die spätere Bauteilqualität beeinflussen.

Bei der drahtbasierten additiven Fertigung von Metall steigen die Anforderungen weiter. Werkstoff, Prozessparameter, Anlagenbedienung und Prüfung müssen aufeinander abgestimmt und nachvollziehbar dokumentiert werden. Als DVS-zugelassenes Zentrum für Additive Fertigungsverfahren Metalltechnik (ZAF-M) bietet die SLV Halle GmbH anerkannte Weiterbildungen entlang der gesamten Prozesskette an, die die Qualifizierung an den konkreten Aufgaben und Einsatzbedingungen ausrichten. Folglich besprachen die Schweißaufsichtspersonen der Bundeswehr mit den Fachleuten der SLV Halle GmbH mögliche Qualifizierungswege für die neuen Aufgaben.

Schweißtechnische Nachweise digital verwalten

Qualifikationen, Schweißanweisungen und Prüfberichte müssen vollständig, gültig und für Audits auffindbar sein. Am WPS-Manager® erfuhren die Teilnehmenden, wie sich Schweißerqualifikationen und -prüfungen verwalten, Schweißanweisungen erstellen sowie Arbeitsproben, Verfahrensprüfungen und personengebundene Qualifikationen dokumentieren lassen. So entsteht aus einzelnen Nachweisen eine belastbare Übersicht über Qualifikationen, Gültigkeiten und schweißtechnische Vorgaben.

Werkstoffe zuverlässig bestimmen und prüfen

Sichere Verarbeitung beginnt mit der eindeutigen Bestimmung des Werkstoffs. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der schweißtechnischen Verarbeitung von Panzerstählen und der Qualitätssicherung von Schraubenverbindungen. Beim Rundgang durch das nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierte Prüflabor erlebten die Teilnehmenden Verfahren zur Eigenschaftsermittlung in der praktischen Anwendung. Für die Wareneingangs- und Produktionskontrolle von Stählen stellten die Fachleute mobile Härtemessungen nach UCI, TIV und Leeb sowie Funkenemissionsspektrometrie und Röntgenfluoreszenzanalyse vor.

Erfahrungen aus dem Einsatz in Qualifizierung übersetzen

Wie groß der Bedarf an passenden Qualifizierungswegen ist, zeigten die Pausen und das gemeinsame Abendprogramm. Auch hier überwog der Diskurs über konkrete Anforderungen und mögliche Lösungswege. Das Treffen zeigte deutlich: Neue Fertigungsverfahren erfordern mehr als zusätzliche Technikkenntnisse, um sichere Prozesse und nachvollziehbare Qualität zu gewährleisten.