29. September 2026 Autor: Lisa-Marie Trothe
Betonstahl wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Welche Anforderungen hinter Herstellung, Prüfung und Bewertung stehen, zeigte der 2. Betonstahltag der SLV Halle GmbH am 17. September 2026. Fachbeiträge aus Industrie, Werkstofftechnik und Bauwesen spannten den Bogen von der Herstellung moderner Betonstahlmatten über neue Stahlsorten und Prüfverfahren bis zur Bewertung bestehender Infrastruktur. Den Abschluss bildeten praktische Einblicke in das Betonstahlprüfzentrum der SLV Halle GmbH.
Wie viel Technik bereits in einem scheinbar einfachen Produkt steckt, verdeutlichte Christian Schwalbe vom Brandenburger Elektrostahlwerk am Beispiel industriell gefertigter Betonstahlmatten. Neben Abmessungen und mechanisch-technologischen Eigenschaften müssen unter anderem Kennzeichnung und weitere produktspezifische Anforderungen eingehalten werden. Hinzu kommen unterschiedliche Mattenprogramme und Fertigungsprozesse.
Dass zuverlässige Aussagen über Beton und Betonstahl von reproduzierbaren Prüfbedingungen abhängen, führte Daniel Weiss von Elcometer Instruments GmbH anhand moderner Haftzugprüfungen aus. Sie liefern wichtige Kennwerte für die Beurteilung oberflächennaher Betonschichten und aufgebrachter Schutzsysteme. Automatisierte Messtechnik kann dabei helfen, manuelle Einflüsse zu reduzieren und die Dokumentation zu verbessern.
Interessierte Teilnehmende konnten direkt im Anschluss diese Messtechnik selbst erleben. Elcometer Instruments GmbH war mit Hegewald & Peschke MPT GmbH, Optrel AG und TEKA Absaug- und Entsorgungstechnologie GmbH Teil der Ausstellung. Diese vier Unternehmen umfassten unterschiedliche, sich perfekt ergänzende Kernbereiche von der Qualitäts- und Materialprüfung bis hin zum Arbeitsschutz und der Luftreinhaltung; sie bildeten damit die gesamte Kette der Prozesssicherheit und des Mitarbeiterschutzes bei der Betonstahlverarbeitung ab.
Für angeregten Austausch sorgte der nachhaltige Betonstahl B700B. Dr. Marc Zintel von der Steeltec AG zeigte anhand des höherfesten Werkstoffs, welche Möglichkeiten sich bei hohen Bewehrungsgraden und begrenztem Bauraum ergeben können. Insbesondere die Kombination aus höherer Festigkeit und mechanischen Verbindungsmöglichkeiten, die in der Schweiz schon länger eingesetzt wird, gab den Teilnehmenden Anlass für <s>einen</s> intensive Gespräche.
Wie Altstahl ebenfalls langlebig und ressourcenschonend bleiben kann, erläuterte Werkstofftechniker Christoph Gajda von der SLV Halle GmbH. Grundlage seines Beitrags war das 2026 erarbeitete DVS-Merkblatt 1716 zur Eigenschaftsbestimmung und Schweißeignungsbewertung von Altstählen, an dem er maßgeblich beigetragen hat.
Gerade bei älteren Brücken und anderen Bestandsbauwerken sind Werkstoffeigenschaften häufig nur unvollständig dokumentiert. Vor Instandsetzungsmaßnahmen muss deshalb geklärt werden, welcher Stahl tatsächlich vorhanden ist und unter welchen Bedingungen er verarbeitet werden kann. Das neue Merkblatt soll die Beprobung und werkstofftechnische Bewertung stärker strukturieren.
Wie wichtig Wissen um Altstahl ist, bewies der Teileinsturz der Dresdner Carolabrücke. Diesem Fall widmete sich der Beitrag von Max Fiedler, MKP GmbH. Er stellte Schallemissionsmonitoring und faseroptische Messverfahren vor, mit denen Veränderungen im Bauwerk über längere Zeit beobachtet werden können, um Schäden rechtzeitig zu erkennen.
Zum Abschluss wechselte der Betonstahltag von der Theorie in die Prüfpraxis. Uwe Erler, Leiter des Betonstahlprüfzentrums der SLV Halle GmbH, stellte das Zentrum vor und zeigte ausgewählte Prüfverfahren direkt an der vorhandenen Technik.
„Betonstahl ist ein Miteinander zwischen Werkstofftechnikern und Stahlbauern. Wir lernen fortlaufend voneinander“, fasst der Veranstaltungsleiter René Elbe die Arbeit mit Betonstahl zusammen.
Damit knüpft der Betonstahltag an eine Entwicklung an, die in der SLV Halle GmbH vor mehr als zehn Jahren mit ersten Betonstahlprüfungen begann. Daraus entstanden die PÜZ-Stelle Betonstahl in Dresden, das 2024 eröffnete Betonstahlprüfzentrum in Halle und schließlich der Betonstahltag als regelmäßige Plattform für den fachlichen Austausch. Das Prüfzentrum bündelt heute ein Spektrum an Dienstleistungen, das vom kontrollierten Probeneingang und der geometrischen Vermessung über Ermüdungsversuche und thermische Alterung bis zur Bestimmung mechanisch-technologischer Eigenschaften reicht.
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