Die zerstörungsfreie Prüfung verschiebt sich von der Kontrolle zur Prozessentscheidung

Halle (Saale), 22. April 2026. Bauteilgrößen, steigende Nachweispflichten und ein wachsender Automatisierungsgrad verändern die zerstörungsfreie Prüfung grundlegend. Was lange als begleitender Qualitätsschritt galt, entwickelt sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil der fertigungstechnischen Prozesskette.

Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt der 267. Sitzung des DGZfP-Arbeitskreises Halle-Leipzig, die gemeinsam mit den DVS-Bezirksverbänden Halle und Leipzig in der SLV Halle GmbH stattfand. 35 Fachleute aus Industrie, Forschung und Lehre diskutierten aktuelle Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Prüfpraxis.

ZfP als integraler Bestandteil der Prozesskette

Mit wachsender Bauteilkomplexität verändern sich die Randbedingungen für Prüfverfahren deutlich. Reproduzierbarkeit, Skalierbarkeit und der Einsatz unter realen Baustellenbedingungen rücken stärker in den Fokus. Damit wächst auch die Verantwortung für belastbare Bewertungen im laufenden Betrieb.

Steffen Wagner, Leiter des DGZfP-Arbeitskreises und Geschäftsführer der SLV Halle GmbH, ordnete diese Entwicklung ein:

„Zerstörungsfreie Prüfung wird zunehmend in die Fertigung integriert. Entscheidungen zur Bauteilfreigabe entstehen heute parallel zum Prozess und nicht erst danach.“

Zerstörungsfreie Prüfverfahren übernehmen damit eine zentrale Rolle zwischen Fertigung und Qualitätssicherung. Oberflächenprüfung, Ultraschall- und Durchstrahlungsprüfung sowie weitere Prüfverfahren liefern belastbare Entscheidungsgrundlagen für Produktion, Abnahme und Betrieb.

Technische Entwicklung im Kontext verstehen

Ein zentrales Thema der Sitzung war die Einordnung aktueller Technologien. Viele Verfahren lassen sich erst bewerten, wenn ihre Entstehung nachvollziehbar ist.

Dr. Günter Hesse, Dr. Martin Ströfer und Prof. Steffen Keitel stellten die Chronik „Schweißtechnik im Grünen – Die Jahre 1930 bis 1991“ vor. Sie zeigt zentrale Stationen des Standorts, von der Schweißlehranstalt der 1930er Jahre über das Zentralinstitut der DDR bis zur SLV Halle GmbH seit 1991. Als langjährige ZIS-Mitarbeiter und Geschäftsführer verbinden sie historische Einordnung mit persönlichen Erinnerungen, Anekdoten und Episoden aus dem Institutsalltag und formen so ein Stück industriell-wissenschaftliche Kulturgeschichte.

Das DVS-Schaudepot macht diese sichtbar. Als Teil der historischen Sammlung des DVS umfasst es unter anderem Exponate aus der SLV Halle GmbH. Obmann Dr. Hans-Georg Groß und Christoph Gajda zeigten anhand ausgewählter Beispiele, wie Schadensanalysen, Werkstoffe und Sicherheitsanforderungen Prüfverfahren geprägt haben. Frühe Anwendungen der Röntgenprüfung und erste Automatisierungslösungen belegen, dass zentrale Grundlagen heutiger Prüftechnik am Standort Halle seit Jahrzehnten verankert sind. 

Prüfung, Bewertung und Qualifizierung im Zusammenspiel

Zerstörungsfreie Prüfung lässt sich nicht auf einzelne Verfahren reduzieren. Die Diskussion im Arbeitskreis macht deutlich, dass sie sich zu einer zentralen Schnittstelle der Fügetechnik entwickelt, in der technische, normative und betriebliche Anforderungen zusammenlaufen.

Die SLV Halle GmbH greift betriebliche Fragestellungen aus der Industrie auf, entwickelt daraus anwendbare Prüf- und Bewertungsverfahren und überführt diese in strukturierte Qualifizierungsangebote. So entsteht ein direkter Transfer von Anwendung zu Kompetenz.

Der Tag der offenen Tür am 20. Juni 2026 macht diesen Zusammenhang der Öffentlichkeit zugänglich. Interessierte können die Werkhallen und das DVS-Schaudepot besichtigen oder ein signiertes Exemplar erwerben und mit den Chronisten ins Gespräch kommen.