05. November 2026 Autor: Lisa-Marie Trothe
Zur 36. Schweißtechnischen Tagung stellte Dr. Paul Bobka einen ungewöhnlichen Neuzugang vor: Adam Pro, einen humanoiden Roboter des Herstellers PNDbotics. Mit ihm untersucht die SLV Halle GmbH, wie sich humanoide Robotik in bestehende Arbeitsumgebungen der Schweißtechnik integrieren lässt. Dabei stehen technische Möglichkeiten, Einsatzgrenzen und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine im Mittelpunkt. Denn auch wenn Adam sich bereits menschenähnlich bewegen kann, ist der Weg zum Einsatz in einer Schweißwerkstatt noch weit.
Adam ist etwa so groß wie ein Mensch, besitzt bewegliche Arme und Beine und nimmt seine Umgebung mithilfe verschiedener Sensoren wahr. Er beherrscht grundlegende Bewegungsabläufe, ist jedoch noch weit davon entfernt, komplexe industrielle Tätigkeiten selbstständig auszuführen. Genau das macht ihn für die Forschung interessant.
Seine offene, modulare Bauweise ermöglicht es, Bewegungen anzupassen, zusätzliche Sensoren einzubauen und Schutzvorrichtungen wie seine „persönliche Schutzausrüstung“ (PSA) für den Einsatz in schweißtechnischen Umgebungen zu entwickeln.
Auch die Software lässt sich weiterentwickeln. Die SLV Halle GmbH arbeitet dafür mit eigenen Rechnern und Servern. So können die Forschenden Bewegungs- und Wahrnehmungsmodelle unter kontrollierten Bedingungen entwickeln, testen und ihre Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren.
Damit humanoide Roboter eines Tages in der Schweißtechnik eingesetzt werden können, müssen viele Fachgebiete zusammenspielen. Denn neben der Robotertechnik und künstlichen Intelligenz sind auch Kenntnisse über Fertigungsprozesse, Werkstoffe und Qualitätssicherung gefragt.
So muss beispielsweise untersucht werden, welche Auswirkungen die Bewegungsführung eines Roboters auf die Qualität einer Schweißnaht hat oder wie er sich in bestehende Arbeitsumgebungen integrieren lässt. Dabei spielen auch Ergonomie und Arbeitssicherheit eine wichtige Rolle. Wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Fragen erweitern den Blick über die technische Machbarkeit hinaus.
Die Forschung der SLV Halle GmbH verbindet diese Perspektiven, um die Möglichkeiten und Grenzen humanoider Robotik zu untersuchen und die Voraussetzungen für einen sinnvollen industriellen Einsatz zu bewerten. Doch bevor es so weit ist, gilt es zunächst, grundlegende Fähigkeiten zu entwickeln.
Was für Menschen selbstverständlich ist, stellt Adam noch vor große Herausforderungen. Selbst einfache Handgriffe erfordern ein präzises Zusammenspiel von Wahrnehmung, Bewegung und Gleichgewicht. Schon das Greifen eines Schweißbrenners setzt voraus, dass er dessen Position erkennt, die passende Kraft aufbringt, das Werkzeug richtig ausrichtet und dabei selbst stabil stehen bleibt. Die Forschenden stehen deshalb vor einer besonderen Aufgabe: Sie müssen vertraute Handgriffe aus einer neuen Perspektive betrachten und in einzelne, technisch umsetzbare Schritte übersetzen.
„Der humanoide Roboter muss uns Menschen ganz viel beibringen, obwohl er selbst noch nicht viel kann. Wir lernen mit dem Roboter“, beschreibt Dr. Paul Bobka den Forschungsansatz.
Ziel ist es, Fachkräfte körperlich zu entlasten, ihre Kompetenzen gezielt zu stärken und wertvolles sicherzustellen, dass wertvolles Fachwissen an die nächste Generation weitergegeben wird.
Die Anschaffung des neuen humanoiden Roboters wurde im Rahmen des INNO-KOM-Förderprogramms (Modul IZ) unter dem Förderkennzeichen 49IZ260020 ermöglicht.
Die SLV Halle GmbH bedankt sich sehr bei der EURONORM GmbH als Projektträger sowie bei der Bundesregierung bzw. dem BMWE für die Unterstützung und Finanzierung dieser innovativen Technik.
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