36. Schweißtechnische Tagung: 89 Jahre alte Schweißmaschine trifft auf humanoiden Roboter

Ein 89 Jahre alter Fugenhobel, der noch immer Funken sprüht. Ein humanoider Roboter, der seine ersten Schritte in der Schweißtechnik noch vor sich hat. Dazwischen liegen Jahrzehnte technischer Entwicklung und zahlreiche Fragen, mit denen sich 140 Fachleute bei der 36. Schweißtechnischen Tagung am 7. und 8. Oktober 2026 in der SLV Halle GmbH beschäftigten. Zwei Tage lang ging es um aktuelle Forschung, sichere Fertigungsprozesse und den Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft.

Was Schweißtechnik heute bewegt

Zwölf Fachvorträge zeigten, wie sich Werkstoffverhalten, Fertigungsprozesse und Qualitätssicherung gezielter beherrschen lassen. Drei Themen standen besonders im Mittelpunkt.

Werkstoffkenntnis entscheidet über die Qualität.

Wie sich die Korrosionsbeständigkeit nichtrostender Stähle beim Schweißen erhalten lässt, erläuterten Prof. Dr. Jochen Schuster und Frank Steller. Entscheidend sind eine geeignete Werkstoffauswahl, abgestimmte Schweißverfahren und fachgerechtes Formieren. Steffen Wagner und Ralf Kasten ergänzten den Korrosionsschutz durch Beschichtungen und zeigten, warum Qualität bereits bei Planung und Oberflächenvorbereitung beginnt.

Schadensanalysen schaffen Grundlagen für wirtschaftliche Entscheidungen.

Was tun, wenn eine Schweißkonstruktion Schäden aufweist? Dr. Django Baunack und Burkhard Senk zeigten anhand konkreter Praxisfälle, wie Untersuchungen und Berechnungen helfen, zwischen Weiterbetrieb und Instandsetzung abzuwägen. Christoph Gajda ergänzte, wie belastbare Werkstoffkennwerte bestehender Bauwerke ermittelt werden können. So lassen sich technische Risiken beurteilen und unnötige Kosten vermeiden.

Kontrollierbare Prozesse sichern reproduzierbare Ergebnisse.

Jörg Neudel, Henning Schuster und Wolfgang Illich stellten unterschiedliche Ansätze zur Prozessbeherrschung vor. Neudels t5/3-Konzept nutzt definierte Abkühlzeiten, um thermische Richtprozesse kontrollierbarer zu machen. Unterpulverschweißen mit einem kollaborierenden Roboter eröffnet neue Möglichkeiten für alle Geometrien. Die optische Kohärenztomografie (OCT) wiederum ermöglicht es, die Einschweißtiefe beim Laserstrahlschweißen direkt während des Prozesses zu messen. Damit wird deutlich, wie Prozessführung, Automatisierung und Messtechnik zur Qualitätssicherung beitragen.

89 Jahre alt und noch immer voller Energie

Am Abend wechselte die Schweißtechnik vom Vortragssaal in die praktische Vorführung. Gemeinsam mit Kjellberg Finsterwalde und CAVITAR aus Finnland erlebten die Teilnehmenden moderne Verfahren und ein besonderes Stück Technikgeschichte.

Kjellberg demonstrierte, wie sich Unterpulverschweißen mithilfe eines kollaborierenden Roboters automatisieren lässt. Anschließend machte CAVITAR mit seiner ArcLess Academy den staunenden Teilnehmenden sichtbar, was dem bloßen Auge beim Schweißen normalerweise verborgen bleibt: das Schmelzbad, den Tropfenübergang und das Verhalten der Elektrode.

Nach den modernen Verfahren führte der Weg zurück in die Vergangenheit. Im DVS-Schaudepot der SLV Halle GmbH konnten die Teilnehmenden die Entwicklung der Schweißtechnik erkunden.

Der eindrucksvolle Höhepunkt fand in der abendlichen Dämmerung statt. Schweißlehrer Jan Hasert sorgte für eine funkenreiche Vorführung des Lichtbogendruckluftfugens mit einem 89 Jahre alten Umformer. Ein anschließender Vergleich mit moderner Technik machte die Entwicklung der Schweißtechnik unmittelbar erlebbar. Das Funkenspiel beider Fugenhobel begeisterte die Zuschauenden.

Bei gutem Essen und zahlreichen Fachgesprächen klang der Abend aus.

Wer setzt die beste virtuelle Schweißnaht?

Auch die Teilnehmenden konnten ihr Können unter Beweis stellen. An beiden Tagen wurde beim virtuellen MSG-Schweißen einer Kehlnaht um die beste Schweißnaht gerungen. Mit beeindruckenden 96 Prozent sicherte sich Kenny Schönefuß von der Umwelttechnik & Wasserbau GmbH den ersten Platz. Christian Hagen und Kevin Köhler von Krause & Co. Hoch-, Tief- und Anlagenbau GmbH folgten auf den Plätzen zwei und drei. Der Gewinner erhielt unter anderem einen Weiterbildungsgutschein der SLV Halle GmbH. Herzlichen Glückwunsch!

Ein Überraschungsgast mit vielen offenen Fragen

Den Höhepunkt des zweiten Tages bildete die erstmalige Präsentation des humanoiden Roboters Adam Pro vor Fachpublikum. Noch ausgeschaltet, zog er bereits die Aufmerksamkeit auf sich. Seine eigentliche Arbeit beginnt jedoch erst.

Die Forschung und Entwicklung der SLV Halle GmbH untersucht künftig, wie sich humanoide Robotik in bestehende manuelle Arbeitsumgebungen integrieren lässt. Im Fokus stehen sowohl schweißtechnische und verwandte Tätigkeiten, insbesondere körperlich belastende, monotone und sicherheitskritische Arbeiten als auch die sichere Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und humanoiden Robotern. Daraus ergeben sich in den kommenden Monaten und Jahren neben technischen Herausforderungen auch Fragen nach Verantwortung und Kontrolle. Die Forschungsarbeit soll zeigen, wo humanoide Robotik die praktische Arbeit sinnvoll unterstützen kann und welche Grenzen dabei zu berücksichtigen sind.

Fachwissen, das verbindet

Von historischer Technik bis zur humanoiden Robotik zeigte die 36. Schweißtechnische Tagung, wie vielfältig sich die Schweißtechnik entwickelt. Trotz aller technischen Veränderungen bleiben Werkstoffkenntnis, beherrschbare Prozesse und qualifiziertes Fachpersonal entscheidend für sichere und zuverlässige Ergebnisse.

Die 140 Teilnehmenden nutzten die beiden Tage, um aktuelle Erkenntnisse zu diskutieren, Verfahren unmittelbar zu erleben und Erfahrungen über Unternehmensgrenzen hinweg auszutauschen.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet die Schweißtechnische Tagung 2027 in Halle.

Schweißtechnische Tagung

Neueste Entwicklungen in der Schweiß- und Prüftechnik, Konstruktion und bei Werkstoffen.

  Details

06.10.2027 – 07.10.2027 Halle (Saale) 625 €
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