Susanne Szczesny-Oßing: DVS-Präsidentin mit Blick für Wandel und Verantwortung

Sie verbindet unternehmerische Erfahrung mit technischer Expertise. Im Gespräch berichtet DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing über ihren beruflichen Weg, über Veränderungen in der fügetechnischen Branche und über zentrale Themen in der Verbandsarbeit. Ihr Schwerpunkt liegt auf Wissenstransfer, Vielfalt und einer klar zukunftsorientierten Weiterentwicklung der schweißtechnischen Gemeinschaft.

Kurz nachgefragt bei Susanne Szczesny-Oßing

Anlässlich ihres Besuchs bei der 35. Schweißtechnischen Tagung und der Eröffnung des DVS-Schaudepots haben wir nachgefragt.

Was verbinden Sie persönlich mit der SLV Halle GmbH?

Susanne Szczesny-Oßing: Die Verbindung zur SLV Halle war für mich immer selbstverständlich. Durch die EWM gab es über viele Jahre enge Berührungspunkte, geprägt von gegenseitigem Vertrauen und der gemeinsamen Neugier, Neues auszuprobieren. Wir haben früh digitale Ansätze wie Virtual und Augmented Reality getestet. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit an einem der ersten virtuellen Schweißtrainer steht beispielhaft für diese verlässliche Kooperation.

Welche Erfahrungen aus Ihrem Familienunternehmen prägen Ihre heutige Arbeit im Verband?

Ich bin in einer Unternehmerfamilie groß geworden, in der Verantwortung, Offenheit und Leidenschaft fester Bestandteil waren. Unser normales Leben und die Arbeit haben sich eng verquickt. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden haben wir als die EWM-Familie unsere EWM-Gruppe mit Enthusiasmus und Weitblick aufgestellt. Alle haben Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Unternehmergeist eingebracht. Dieses vertrauensvolle Miteinander hat mich geprägt.

Ich durfte früh Verantwortung übernehmen und habe gelernt, Chancen zu erkennen und Risiken abzuwägen. Diese Praxis begleitet mich bis heute und hilft mir, überall und auch im Verband langfristig und strategisch zu denken.

Welche Entwicklungen haben Sie im Verband und in der Branche erlebt, seit Sie dem DVS beigetreten sind?

Als ich damals in den Vorstandsrat gewählt wurde, war die Schweißindustrie noch eine starke Männerdomäne – so auch der DVS. Ich war häufig die einzige Frau im Raum. Heute ist der DVS vielfältiger. Damit meine ich nicht nur mehr Frauen in den Gremien, sondern unterschiedliche berufliche Hintergründe, Altersgruppen und Sichtweisen. Menschen aus Industrie, Handwerk, Wissenschaft und Ausbildung bringen neue Perspektiven ein. Das stärkt die Ergebnisse.

Unterschiedliche Gedanken und echte Schwarmintelligenz helfen uns, die Herausforderungen in einer immer komplexer werdenden Welt und auch in unserer Branche zu lösen. Diesen Prozess möchte ich weiter beflügeln. Wer Leidenschaft für die Fügetechnik mitbringt, ist im DVS-Verband mehr als richtig und sehr willkommen.

Was macht Ihren Führungsstil aus und wie bringen Sie ihn im DVS ein?

Führung ist für mich vor allem eine Haltung. Ich trete in jeder Situation als dieselbe Person auf. Authentizität und Verbindlichkeit sind mir wichtig, ebenso Nähe und ein respektvoller Umgang. Wertschätzung für unterschiedliche Meinungen und ein gemeinsamer Blick nach vorn prägen meine Arbeit.

Zugleich verändert sich die Welt rasant. Digitalisierung, geopolitische Entwicklungen und neue Technologien erfordern neue Denkmodelle und Mut zu Reformen. Als Unternehmerin habe ich gelernt, disruptive Ansätze gezielt zu nutzen. Im Verband stellen wir uns täglich Fragen nach Wissenssicherung, Nachwuchsgewinnung und Zukunftsfähigkeit. Unsere Energie muss dort wirken, wo sie die größten Hebel schafft, ohne unsere Geschichte aus dem Blick zu verlieren.

Wie bleibt die Fügetechnik in Deutschland zukunftsfähig? Was können wir als Verbandsmitglieder tun?

Die SLV Halle zeigt, wie Zukunftsfähigkeit in unserer Branche entsteht. Die 35. Schweißtechnische Tagung bringt Expertinnen und Experten zusammen, fördert den fachlichen Austausch und setzt Impulse, die in den Alltag unserer Unternehmen wirken. Mit dem neuen DVS-Schaudepot am Standort Halle wird zugleich sichtbar, welche Erfahrungen unsere Gemeinschaft prägen und wie wichtig es ist, Herkunft und Weiterentwicklung zusammenzudenken.

Fügetechnik ist und bleibt eine zentrale Schlüsseltechnologie für viele Bereiche unseres Lebens. Sie prägt Infrastruktur und Brückenbau, trägt Verantwortung im Anlagen- und Kraftwerksbau, sichert Prozesse in der Chemie und eröffnet neue technologische Spielräume von der Automobilindustrie über den Schiffbau bis hin zur Raumfahrt. Überall wird geschweißt. 

Damit sich dieses Wissen weiterentwickeln kann, brauchen wir offene Zusammenarbeit und die Bereitschaft, neue Ansätze auszuprobieren. Als Gastgeberin wichtiger Tagungen und als Patenunternehmen von Jugend forscht setzt die SLV Halle wesentliche Impulse für die Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft. Die frühe Begeisterung junger Menschen für Technik ist ein Schlüssel dafür, den ich auch in meinen eigenen MINT-Projekten vorantreibe.

Wir danken Ihnen für das Gespräch und für Ihre Einblicke in die aktuellen Entwicklungen im Verband und die gemeinsamen Herausforderungen der Branche.