Bauaufsicht im Spannungsfeld von Technik, Regelwerk und Verantwortung

Der 34. Erfahrungsaustausch für Schweißaufsichtspersonen im bauaufsichtlichen Bereich nach DIN EN 1090 bei der SLV Halle GmbH verdeutlichte, wie stark sich die Anforderungen an Bauaufsicht und Qualitätssicherung verdichtet haben. Technische Fragestellungen, normative Vorgaben und rechtliche Rahmenbedingungen lassen sich heute nicht mehr getrennt betrachten. Entscheidungen entstehen zunehmend an deren Schnittstellen. Ziel der Veranstaltung war es, diese Zusammenhänge einzuordnen und Fachkräften eine belastbare Grundlage für die tägliche Praxis zu geben.

Prüfungen als Grundlage fachlicher Entscheidungen

Prüfungen an Schweißkonstruktionen wurden nicht isoliert als technische Maßnahmen betrachtet, sondern im Zusammenhang konkreter Entscheidungsprozesse der Bauaufsicht. Anhand von Beispielen wie der Lesumbrücke wurde aufgezeigt, wie zerstörungsfreie Prüfverfahren gezielt eingesetzt werden, um den Zustand historischer Stahlkonstruktionen zu bewerten, ohne den Bestand unnötig zu beeinträchtigen.

Im Fokus stand dabei weniger das einzelne Prüfverfahren als vielmehr die fachliche Ableitung aus den Prüfergebnissen. Erst im Zusammenspiel von Werkstoffzustand, Konstruktion und Beanspruchung entsteht eine Bewertung, die tragfähige Entscheidungen ermöglicht.

Bauaufsicht und der Umgang mit importierten Baustählen

Gerade diese Bewertungen gewinnen an Bedeutung, wenn Werkstoffe nicht aus bekannten Lieferketten stammen, sondern unter veränderten Rahmenbedingungen eingesetzt werden. Deshalb widmet sich ein eigener Themenblock der Verwendung importierter Baustähle. Anhand praktischer Erfahrungen wurde deutlich, dass Baustähle aus Indien häufig eine solide Basis aufweisen, jedoch Abweichungen in chemischer Zusammensetzung oder mechanischen Kennwerten auftreten können. 
Um daraus resultierende Risiken frühzeitig zu erkennen, müssen Werkstoffherkunft, Dokumentation und tatsächliche Eigenschaften zusammengeführt werden. Diese fachliche Einordnung bewegt sich jedoch nicht im luftleeren Raum, sondern ist immer an den geltenden normativen Rahmen gebunden.


Regelwerksänderungen als Rahmen der Bauaufsicht


Aus dieser Perspektive wurde der aktuelle Stand der technischen Baubestimmungen eingeordnet. Die Muster Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen, deren Umsetzung in den Bundesländern sowie Änderungen der Bauproduktenverordnung bestimmen maßgeblich den Handlungsspielraum der Bauaufsicht. Ergänzend wurden die ZTV ING Teil 4 Abschnitt 3 und das modularisierte Blatt 100 mit Blick auf Korrosionsschutz und Bauüberwachung eingeordnet.


Die Diskussionen nach den Vorträgen zeigten, dass Übergangsregelungen und länderspezifische Besonderheiten eine enge Abstimmung zwischen Auftraggebern, Ausführenden und Bauaufsicht erfordern. Regelwerkskenntnis allein reicht nicht aus. Entscheidend ist die sichere Anwendung im konkreten Projekt. 

Produkthaftung als Teil der Bauaufsichtspraxis

Wo technische Bewertung und Regelwerksanwendung zusammentreffen, rücken zwangsläufig auch rechtliche Fragestellungen in den Fokus. Neben technischen und normativen Aspekten spielte daher auch die Produkthaftung eine zentrale Rolle. Behandelt wurden Grundlagen der vertraglichen und außervertraglichen Haftung sowie aktuelle Rechtsprechung mit Bezug zu Bauprodukten und Schweißkonstruktionen.

Die Einordnung von Kaufvertrag, Werklieferungsvertrag und Werkvertrag verdeutlichte, dass Haftungsfragen nicht allein Hersteller betreffen. Auch die Bauaufsicht ist gefordert, Abweichungen, Dokumentationen und Entscheidungen rechtssicher zu bewerten. 

Bauaufsicht als Schlüssel für Qualität und Sicherheit

René Elbe, Abteilungsleiter Qualitätssicherung, fasst zusammen: „Der Erfahrungsaustausch hat klar gezeigt, dass Bauaufsicht heute weit über reine Kontrolle hinausgeht. Sie erfordert technisches Verständnis, sichere Regelwerkskenntnis und ein Bewusstsein für rechtliche Konsequenzen. Erst die Verbindung dieser Aspekte schafft Handlungssicherheit und trägt zur Qualität und Sicherheit von Bauwerken bei.“

Für alle Interessierten, die Inhalte vertiefen oder den fachlichen Austausch fortsetzen möchten, wird das Programm erneut in Dresden angeboten. 

Erfa SAPs im bauaufsichtlichen Bereich

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25.02.2026 Dresden 350 €
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