Erfahrungsaustausch „Mechanische Verbindungsmittel“ zeigt neue Anforderungen an Schraubenverbindungen

Schraubenverbindungen stellen im Stahlbau und im Schienenfahrzeugbau zunehmend höhere Anforderungen an Auslegung, Montage und Qualitätssicherung. Der erste Erfahrungsaustausch zu mechanischen Verbindungsmitteln in der SLV Halle GmbH greift diese Entwicklung auf und bündelt aktuelles Fachwissen aus Praxis, Normung und Forschung. Die Veranstaltung bildet den Auftakt für eine Reihe, die künftig im zweijährigen Rhythmus stattfinden soll. Knapp 65 Teilnehmende und sieben Aussteller bestätigen den steigenden Bedarf.

Praxisimpulse aus Industrie und Normung

Die Beiträge des Erfahrungsaustauschs zeigen, wie sich Anforderungen an Schraubenverbindungen verändern. Im Mittelpunkt stehen konkrete Fragestellungen aus Konstruktion, Montage und Qualitätssicherung.

Montage entscheidet über die Funktion der Verbindung 

Im Stahlbau wird die Auswahl an regulär einsetzbaren Verbindungsmitteln für vorgespannten und nicht vorgespannten Verbindungen in den nächsten Jahren erweitert. Torsten Kokot, Fachbereichsleiter Metallurgie der SLV Halle GmbH, berichtete über HR und HRC-Garnituren sowie DTI-Scheiben als interessante Alternativen zu den etablierten HV- und SB-Garnituren.  

Mit der DIN EN 17976 und ergänzenden Regelwerken wie der DASt-Richtlinie 024 werden Anforderungen an Vorspannkraft, Dokumentation und Kontrolle deutlich konkretisiert. Stefan Weiß-Breitenbürger und Patrick Junkers, Barbarino und Kilp GmbH, zeigten, dass bereits geringe Abweichungen in der Vorspannkraft die Betriebssicherheit beeinflussen können.

Korrosionsschutz beeinflusst Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit

Joachim Pflugfelder, Sherwin-Williams Coatings Deutschland GmbH, machte deutlich, dass Verbindungsmittel und die zu fügenden Bauteile als Einheit betrachtet werden müssen. Unterschiedliche Beschichtungssysteme können zu Vorspannkraftverlusten führen und damit die Tragfähigkeit beeinträchtigen. Korrosionsschutz ist damit Teil der Auslegung und muss bereits in der Planung berücksichtigt und auf die Verbindung abgestimmt werden.

Neue Erkenntnisse zur Schwingfestigkeit von Schraubenverbindungen

Unter Schwingungen und wechselnden Beanspruchungen verlieren Schraubenverbindungen ihre Vorspannkraft schleichend. Klassische Sicherungsmaßnahmen berücksichtigen diese Ermüdungsbeanspruchung jedoch unzureichend. In der Instandhaltung zeigt sich die praktische Konsequenz.

Thomas Vauderwange, VauQuadrat GmbH, verdeutlichte typische Problemfälle wie korrodierte Verbindungen, Gewindekleber oder Presspassungen. Für das Lösen oder Lockern von Schraubenverbindungen präsentierte der Aussteller kontrollierte Erwärmung durch Tiefeninduktion.

Jochen Süßenbach, Nord-Lock GmbH, zeigte, dass das Wirkprinzip zur Belastung passen muss. Entscheidend ist die Auswahl geeigneter Systeme auf Basis der realen Beanspruchung.

Prof. Ralf Glienke, Hochschule Wismar, ergänzte aktuelle Forschungsergebnisse zur Schwingfestigkeit von Schraube-Mutter-Verbindungen. Er verwies auf laufende Untersuchungen zur Dauerhaltbarkeit hoch beanspruchter Verbindungen nach VDI Richtlinie 2230.

Dokumentierte Qualitätssicherung gewinnt zunehmend an Bedeutung

Durch die Beiträge kristallisierten sich ein klarer Trend im Schienenfahrzeugbau und Stahlbau heraus: Die Qualitätssicherung verschiebt sich von der Prüfung zur Prozessabsicherung, während normative Anforderungen eine lückenlose Dokumentation und nachvollziehbare Prüfstrategien verlangen.

Kerstin Schaufuß stellte die Einordnung im Kontext der ECM-Verordnung dar. Im Fokus stehen Prüfungen während und nach der Montage sowie Anforderungen an Instandhaltungssysteme. Ziel ist ein durchgängig abgesicherter Betrieb.

„Qualitätssicherung beginnt nicht am Ende. Sie begleitet den gesamten Lebenszyklus der Verbindung von der Montage bis zur Instandhaltung“, fasst Kokot zusammen.

Die Prozesskette erfordert qualifiziertes Fachpersonal

Der Erfahrungsaustausch zeigt einmal mehr, dass sich technische Vorgaben dynamisch entwickeln und sich Anforderungen ändern. „Der Bedarf entsteht direkt in der Praxis. Wir greifen ihn früh auf, bündeln das Fachwissen und machen es über Veranstaltungen und Lehrgänge verfügbar“, erklärt Steffen Wagner, Geschäftsführer der SLV Halle GmbH.

Ein vergleichbarer Ansatz zeigt sich beim handgeführten Laserstrahlschweißen. Bereits vor 30 Jahren griff das Unternehmen technologische Entwicklungen auf und überführte sie in strukturierte Lehrgänge und Veranstaltungen. Dieses bewährte Prinzip wird nun auf Schraubenverbindungen übertragen:

Damit entsteht ein abgestimmtes Qualifizierungsangebot für Fachkräfte aus Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung.

Die SLV Halle GmbH dankt dem Sponsor HYTORC für die Unterstützung des Erfahrungsaustauschs und den Beitrag zur fachlichen Ausgestaltung der Veranstaltung.